Wie passt das zusammen: Atemnot und Extremkletterer? Die Bergsteigerbrüder Alexander und Thomas Huber vertreten als „Atem-Botschafter“ die Ziele der Stiftung AtemWeg zur Erforschung von Lungenkrankheiten. „Bewegung lohnt sich immer“, ist der zentrale Tipp für den Alltag. „Auch oder gerade an `schlechten´ Tagen sollten Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen aktiv sein.“ (Quelle 1). Asthma und mehr noch die chronische Atmungsstörung COPD sind Erkrankungen, die Sorge bereiten. Bei allen Unterschieden in Ursache, Verlauf und Prognose haben sie eine Herausforderung gemeinsam: Mit eigener Aktivität lässt sich das Leben in den Griff bekommen.

Tipp 1: Selbsthilfe gegen Atemnot

Die Technik der Lippenbremse hilft in anstrengenden Alltagssituationen. Legen Sie die Lippen entspannt aufeinander und lassen Sie die Luft langsam durch die verengte Atemöffnung ausströmen, während Sie dabei bis vier zählen. Auf diese Weise wird das Ausatmen verlangsamt. Der Atemstrom wird abgebremst, die Bronchien bleiben länger geöffnet, das Durchatmen wird leichter. Wiederholen Sie diese Übung, bis Sie wieder besser durchatmen können. Achten Sie jedoch darauf, bei der Lippenbremse nie die Luft anzuhalten.

Tipp 2: Lungensport

Ein spezielles Training hilft, die Atmung zu vertiefen, den Brustkorb zu mobilisieren und die Grundkondition zur Bewältigung des Alltags zu verbessern. Zum Beispiel steht auch richtiges Treppensteigen auf dem Lehrplan. Im Vorfeld fragen Sie jedoch bitte einen Facharzt, ein Register der Gruppen bietet die AG Lungensport online.

Hunde, Enkel und aktive Partner: Eine spanische Studie (Quelle 2) identifizierte die drei Faktoren, die COPD-Erkrankten gut tun. Die Forschung sorgt dafür, dass sich die Lebensqualität bei schweren Atemwegserkrankungen deutlich verbessert hat. Steigende Erkrankungszahlen üben Druck auf die Wissenschaft aus: In Deutschland sind etwa 12 Prozent der Bevölkerung von Asthma oder COPD betroffen (Quelle 3). Asthma ist eine der häufigsten Volkskrankheiten weltweit, die COPD breitet sich in den letzten Jahrzehnten mit enormen Zuwachsraten von rund 40 Prozent aus.

Husten, Auswurf und Atemnot: Wegen ähnlicher Symptome werden Asthma und COPD häufig in einen Topf geworfen. Tatsächlich existiert eine Mischform, die etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten betrifft. Vor allem Ursachen und Verlauf der beiden Erkrankungen sind jedoch absolut unterschiedlich.

  • Asthma bronchiale ist eine chronische Überempfindlichkeit der Atemwege und beginnt meist in der Jugend als Folge einer Allergie oder Infektion, genetische Faktoren sind beteiligt. Durch Reize entzünden sich die Bronchien schnell. Als Folge tritt heftiger Husten auf, der sich zur Atemnot steigert. Die Atemwegsstörung tritt in Phasen auf und kann in beschwerdefreien Zeiträumen vollständig aus dem Leben verschwinden. Mit Akut- und Langzeit-Medikamenten lässt sich Asthma heute hervorragend beherrschen.
  • COPD ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, in neun von zehn Fällen trifft sie Raucher. Auf der Liste der Todesursachen liegt die „Raucherlunge“ derzeit auf Platz vier weltweit. Die Patienten leiden unter einer dauerhaft gestörten Atmung, die durch chronisch entzündete und verengte Bronchien verursacht wird und sich bis zu einer Überblähung der Lunge, dem Ephysem, entwickeln kann. COPD verläuft in Schüben und verschlechtert sich schleichend. Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich, die Symptome können hauptsächlich mit inhalierbaren Medikamenten gut behandelt werden, vor allem dann, wenn die Krankheit in einem frühen Stadium erkannt wird.

Gute Chancen: Selbst etwas tun

Der Lungeninformationsdienst des Helmholtz-Zentrums spricht Klartext: „Besonders Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten wie Asthma oder COPD können durch körperliche Bewegung und sportliche Betätigung Atemnot reduzieren, ihr gesundheitliches Befinden verbessern und wieder ein aktiveres Leben führen.“ Experten stellen insgesamt sechs Regeln für eine bessere Lebensqualität auf:

  1. Nichtraucher werden
  2. Medikamente einnehmen
  3. Viel bewegen
  4. An Patientenschulungen teilnehmen
  5. Infekten vorbeugen
  6. Auf gesunde Ernährung achten

Informationen und Erfahrungsaustausch gehören zum erfolgreichen Management der Erkrankungen. Hier einige ausgewählte Quellen:


Quelle 1: Stiftung AtemWeg
Quelle 2: Ane Arbillaga-Etxarri (et al.): Socio-environmental correlates of physical activity in patients with chronic obstructive pulmonary disease (COPD). In: Thorax 2017
Quelle 3: Robert Koch Institut