„Ich lebe besser, seit ich Diabetes habe.“ Diabetologe Prof. Dr. Stephan Martin kann das unterschreiben. „Ich meine es keineswegs zynisch, wenn ich sage: Es ist ein Glück, ein Diabetiker zu sein. Wenn Sie vor einer Mahlzeit Blutzucker messen und 90 Minuten danach, haben Sie ein unmittelbares Bio-Feedback, ob Sie gut im Sinne der Gesundheit gegessen haben. Diabetes ist tatsächlich eine Chance, den Lebensstil erfolgreich zu verändern.“ Die Ergebnisse sind beeindruckend. Wieder zeigt eine aktuelle Studie (Quelle 1), dass Diabetes-Patienten durch Ernährungsumstellung und Lebensstilverbesserungen auf ihre Medikamente verzichten konnten und der Diabetes sogar geheilt wurde. „Dabei profitiert auch der allgemeine Gesundheitszustand“, freut sich Prof. Martin. Und mehr als das: Viele Diabetiker verzeichnen einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität, wenn sie fortan bewusst die Produkte für ihre Ernährung auswählen und selbst zubereiten.

Tipp 1: Gemüse, Gemüse

Die alte Regel der fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag muss bei Diabetes angepasst werden, weil Obst zu viel Fruchtzucker enthält. Uneingeschränkt ist jedoch Gemüse erlaubt. Ernährungscoach und Spitzenkoch Holger Stromberg rät zu Brokkoli, Fenchel, Spinat, Sellerie, Gurke oder Kohl, mit Oliven- oder anderen kaltgepressten Ölen benetzt. Oder auch in Form von natürlichen Rohkostsalaten in Kombination mit essentiellen Fettsäuren zum Beispiel aus Avocado, Nüssen und Fisch.

Tipp 2: Sieben Minuten pro Tag

„Zwei Minuten, um gute Ernährung zu planen und fünf Minuten für die Zubereitung“, fordert Ernährungsberater Holger Stromberg. „Mehr muss das nicht sein – auch ein gutes Brot mit einem guten Belag ist ein gesundes Essen.“ Das größte Hindernis auf dem Weg zur gesunden Ernährung ist der ungeplante Hunger. „Wir denken erst über Essen nach, wenn es zu spät ist – und schon stehen wir in der Bäckerei oder am Schnellimbiss. Dann werden aus den 20 Prozent Kohlenhydraten ganz schnell 80 und die Blutzuckermenge macht der Bauchspeicheldrüse die Arbeit schwer.“

Der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2018 vermeldet nichts Gutes: Diabetes mellitus nimmt in Deutschland unverändert zu. Rund 6,7 Millionen sind betroffen, darunter etwa zwei Millionen Menschen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Jährlich werden es etwa 300. 000 Patienten mehr, sagt die Deutsche Diabetes Gesellschaft. 95 Prozent leiden unter Diabetes Typ 2. Übergewicht ist hier einer der treibenden Risikofaktoren, eine fatale Rolle spielen zuckrige Getränke und fettige Snacks. Nur etwa 5 Prozent entfallen auf Diabetes Typ 1, eine Autoimmunerkrankung, bei deren Entstehung der Lebensstil keine Rolle spielt.

Der Typ 2-Diabetes hat hässliche Begleiter: Die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall ist etwa zwei- bis dreifach erhöht. 40.000 Gliedmaßen werden jedes Jahr als Folge amputiert, rund 2.000 Menschen erblinden, die meisten Nierenkomplikationen haben mit einem Diabetes zu tun.

Grund genug, mit aller Entschlossenheit aktiv zu werden

Mit Eigeninitiative und Disziplin stehen beim Diabetes die Chancen gut. Das gilt bei der Therapie mit Medikamenten, noch mehr bei der insulinfreien Behandlung durch Veränderung des Lebensstils. Professor Martin ist ein engagierter Verfechter einer aktiven Selbstbeteiligung am eigenen Gesundheitszustand: „Wir brauchen Aktienten statt Patienten!“ Gehen Sie selbst gegen Übergewicht, Blutfette, Bewegungsmangel und Rauchen vor, dann können Sie ein „gesunder Diabetiker“ bleiben, wenn nicht sogar die Erkrankung wieder auf null drehen.

In jedem Fall ist es wichtig, sich einem Arzt anzuvertrauen, der Erfahrung mit der Behandlung hat. Der Diabetologe Dr. Dirk Hochlehnert macht jedem Mut, die bestmögliche Beratung einzufordern. Der Gesundheitspass Diabetes gehört als unentbehrliches Kommunikationsmittel mit den Ärzten dazu. Patientenschulungen sind wichtige Lektionen in Selbstmanagement und geben praktische Anleitungen, um den Diabetes täglich in den Griff zu bekommen.


Quelle 1: DIRECT (Diabetes Remission Clinical Trial), The Lancet, Dezember 2017