Atmen Sie richtig? Das ist entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden. Machen Sie gleich den Test: Eine Hand auf den Bauch legen und dabei wie gewohnt atmen. Wenn sich die Bauchdecke dabei deutlich hebt und senkt, atmen Sie richtig. Wenn kaum eine Veränderung spürbar ist, gehören Sie leider zur Mehrheit: Schätzungsweise zwei Drittel aller Menschen atmen nur flach und bringen sich damit um wertvolle Lebenskraft.

Tipp 1: Atemübung mit Anti-Stress-Effekt

Zum Start geräuschvoll durch den Mund ausatmen, Mund schließen und durch die Nase einatmen, dabei bis vier zählen. Anschließend die Luft anhalten und bis sechs zählen. Nun durch den Mund vollständig ausatmen und dabei bis acht zählen. Die Übung viermal wiederholen.

Tipp 2: Wartezeiten zum Atemtraining nutzen

Diese Übung lässt sich überall machen – auch im Stau auf der Autobahn – und fördert einen ruhigen Atemrhythmus. Hauchen Sie langsam in die Handfläche, atmen Sie wieder durch die Nase ein und wiederholen Sie die Übung, bis Ihre Hand ganz warm geworden ist.

500 Liter Sauerstoff täglich

Die Atmung tankt den Körper mit dem täglichen Kraftstoff für die Funktionen der Organe auf, schädliches Kohlenstoffdioxid wird im Gegenzug entsorgt. Das Atmen geschieht unbewusst. So können Stress und Hektik unbemerkt Einfluss nehmen. Stresshormone lösen seit Urzeiten Alarm aus und beschleunigen den Atem für Flucht oder Kampf. Gut für den Moment, problematisch als Dauerzustand. Sechsmal ein- und auszuatmen pro Minute wäre ideal, 12 bis 15mal ist die Regel bei den meisten Menschen (Quelle 1).

Der Lebensstil tut sein Übriges: Wir sitzen zu viel, tragen zu enge Kleidung und spannen die Bauchmuskeln öfter als nötig an, um eine gute Figur zu machen. So atmen viele Menschen ständig unvollständig und flach. Die Lunge wird nicht richtig ausgelastet, viel weniger Sauerstoff als nötig gelangt zu den Organen, der Körper erreicht nicht seine volle Leistungsfähigkeit, verbrauchte Luft bleibt zurück. Hier kann die Ursache für ungeklärte Kopfschmerzen, Verspannungen, Müdigkeit, Depressionen oder Verdauungsstörungen liegen. Auf die Dauer können Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Immunschwäche die Folgen der Unterversorgung mit Sauerstoff sein.

Die Atmung wird über das vegetative Nervensystem gesteuert. Umgekehrt kann das vegetative Nervensystem über den Atem beeinflusst und harmonisiert werden. Mit einem einfachen Training dauert es nur acht Wochen bis zur optimalen Bauchatmung. Die Faustregel: Das Ausatmen sollte doppelt so lange wie das Einatmen sein.

Kleine Atemschule

Setzen oder legen Sie sich ruhig hin. Atmen Sie durch die Nase tief ein, bis Sie den Atem im Bauchbereich spüren. Atmen Sie dann lange aus. Legen Sie dabei eine Hand leicht auf den Bauch und kontrollieren Sie bei jedem Atemzug, ob sich die Bauchdecke leicht wölbt und dann wieder senkt. Mediziner empfehlen, anfangs täglich zehn bis 15 Minuten zu üben, später ein- bis zweimal pro Woche – zur Belohnung fühlt man sich danach entspannt und erfrischt.

„Therapie des Atmens“

Atemtherapie geht über die Selbsthilfe mit einfachen Atemübungen hinaus. Als „Therapie des Atmens“ wird sie bei gesundheitlichen Defiziten, insbesondere der Lunge und der Bronchien eingesetzt, um Atemnot zu verringern und gleichzeitig die Vitalkapazität, das heißt die Funktion der Lunge, zu verbessern. Es ist erwiesen, dass der gesamte Organismus von der gesteigerten Sauerstoffversorgung profitiert. „Therapie mit dem Atem“ greift noch tiefer: Mit verschiedenen Methoden dient das alternative Heilverfahren der Selbsterfahrung und ganzheitlichen Selbsthilfe. Zu den ältesten Versionen gehört das Pranayama-Yoga.


Quelle 1: Deutsche Herzstiftung, Dr. med Axel Frey